Mitten in der Nacht ein Schrei. Du rennst ins Kinderzimmer, dein Kind sitzt aufrecht im Bett, die Augen weit offen, schweißnass, vollkommen panisch. Du sprichst es an, nimmst es in den Arm, aber es schaut durch dich hindurch. Nach ein paar Minuten ist es vorbei, dein Kind legt sich hin und schläft weiter. Am Morgen weiß es von nichts.
Das war sehr wahrscheinlich ein Nachtschreck. Er sieht dramatisch aus, ist aber meist harmlos. Hier erfährst du, wie du ihn erkennst, was in dem Moment hilft und was du tun kannst, damit er seltener wird.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Nachtschreck passiert im Tiefschlaf, meist in den ersten Stunden nach dem Einschlafen.
- Dein Kind wirkt wach, ist es aber nicht. Es erinnert sich am nächsten Morgen an nichts.
- Du weckst es nicht, sorgst für Sicherheit und bleibst ruhig.
- Meist wächst sich ein Nachtschreck von allein aus. Feste Schlafzeiten und genug Schlaf beugen vor.
Was ist ein Nachtschreck?
Der Nachtschreck (Fachbegriff: Pavor nocturnus) gehört zu den Parasomnien. Das sind Verhaltensweisen im Schlaf, die dem Wachsein ähneln. Er entsteht, wenn das Gehirn aus dem Tiefschlaf halb in Richtung Aufwachen wechselt und dabei hängen bleibt. Der Körper ist aktiv, aber das Bewusstsein bleibt im Schlaf.
Er tritt meist bei Kleinkindern und Kindergartenkindern auf, typischerweise zwischen zwei und sechs Jahren. Bei Babys ist er selten. Wenn dein Baby nachts schreit, lies auch unseren Artikel Baby wacht nachts auf und schreit.
Nachtschreck oder Albtraum?
| Nachtschreck | Albtraum | |
|---|---|---|
| Wann | Erste Nachthälfte, ein bis vier Stunden nach dem Einschlafen | Eher zweite Nachthälfte |
| Schlafphase | Tiefschlaf | Traumschlaf (REM) |
| Kind wirkt | Panisch, verwirrt, schaut durch dich hindurch | Ängstlich, wach, sucht Nähe |
| Ansprechbar | Kaum | Ja |
| Trost | Hilft nicht sofort | Hilft |
| Erinnerung am Morgen | Keine | Oft ja, mit Details |
| Dauer | Meist 5 bis 15 Minuten, selten bis 30 | Kind schläft nach Trost wieder ein |
Typische Anzeichen
- Plötzliches, lautes Schreien oder Weinen
- Offene Augen, aber ein leerer Blick
- Schwitzen, schneller Puls, schnelle Atmung, gerötetes Gesicht
- Strampeln, um sich schlagen, manchmal Aufstehen oder Schlafwandeln
- Keine Reaktion auf dich oder Abwehr bei Berührung
- Keine Erinnerung am nächsten Morgen
Warum passiert das?
Eine einzige Ursache gibt es nicht. Begünstigend wirken:
- Übermüdung und unregelmäßige Schlafzeiten: Der häufigste Auslöser. Wer zu wenig schläft, rutscht tiefer in den Tiefschlaf und wird beim Übergang leichter gestört.
- Stress und Aufregung: Kindergarten, Umzug, Geschwisterkind, viele Eindrücke am Tag.
- Fieber oder Krankheit.
- Äußere Störungen: Lärm, Licht, volle Blase.
- Familiäre Veranlagung: Wenn in der Familie Nachtschreck oder Schlafwandeln vorkommen, sind Kinder häufiger betroffen.
- Unreifes Nervensystem: Der Wechsel zwischen den Schlafphasen klappt noch nicht immer glatt.
Was du während eines Nachtschrecks tust
- Ruhig bleiben. Das fällt schwer. Mach dir klar: Dein Kind hat keine Schmerzen und merkt davon nichts.
- Nicht wecken. Rütteln oder lautes Ansprechen verlängert die Episode und macht dein Kind danach verwirrt und ängstlich.
- Für Sicherheit sorgen. Räum Dinge weg, an denen sich dein Kind stoßen könnte. Steht es auf, führe es sanft zum Bett zurück.
- In der Nähe bleiben. Leise sprechen, summen, wenn dein Kind es zulässt, Hand auf den Rücken. Nicht festhalten.
- Warten. Nach wenigen Minuten legt sich dein Kind meist von selbst wieder hin und schläft weiter.
Am nächsten Tag musst du das Thema nicht aufbauschen. Wenn dein Kind fragt, sag ruhig: Du hast im Schlaf etwas gerufen, und alles war in Ordnung.
Vorbeugen
Genug Schlaf, feste Zeiten
Übermüdung ist der wichtigste Auslöser. Bring dein Kind zur gleichen Zeit ins Bett, auch am Wochenende, und halte Mittagsschlaf bei, solange er noch gebraucht wird. Mehr dazu: Mittagsschlaf bei Babys und Kleinkindern.
Ein ruhiger Abend
Plane 30 bis 60 Minuten ohne Aufregung ein: kein Fernseher, kein Toben, gedimmtes Licht, dann Bad, Buch und ein festes Ritual. Vorlagen findest du in der Abendroutine in fünf Schritten und im Artikel Bildschirmfreie Abendroutine.
Eine ruhige Schlafumgebung
Dunkel oder mit schwachem Nachtlicht, angenehm kühl und leise. Ein gleichmäßiges Geräusch überdeckt Störungen von außen. Viele Familien nutzen dafür dieselbe leise Musik, die ihr Kind schon vom Einschlafen kennt. Auf unserem Rockie läuft sie mit Timer und ohne WLAN, die Sets findest du im Schlaf-Gut-Set.
Vor dem Schlafen noch einmal zur Toilette
Eine volle Blase kann den Schlaf stören. Gerade bei Kindern, die schon trocken sind, hilft das.
Geplantes Wecken
Wenn der Nachtschreck jede Nacht fast zur selben Zeit kommt, empfehlen manche Kinderärztinnen und Kinderärzte, dein Kind ein bis zwei Wochen lang etwa 15 bis 30 Minuten vorher kurz zu wecken. Es muss nur einmal wach sein, die Augen öffnen und sich umdrehen, dann darf es weiterschlafen. Das unterbricht das Muster. Sprich vorher mit eurem Arzt.
Wann du ärztlichen Rat suchst
In den meisten Fällen ist ein Nachtschreck harmlos. Sprich mit eurer Kinderärztin oder eurem Kinderarzt, wenn:
- die Episoden fast jede Nacht oder mehrmals pro Nacht auftreten,
- dein Kind sich verletzt oder sehr unsicher schlafwandelt,
- dein Kind tagsüber auffallend müde oder unkonzentriert ist,
- laut geschnarcht wird oder Atempausen auftreten,
- der Nachtschreck nach dem sechsten Lebensjahr neu beginnt oder anhält,
- du dir Sorgen machst. Das reicht als Grund.
Notiere vorher, wann und wie oft es passiert und wie lange es dauert. Das hilft bei der Einschätzung.
FAQ
Kann ein Nachtschreck meinem Kind schaden?
In der Regel nicht. Er ist für dich schlimmer als für dein Kind. Es hat keine Schmerzen und erinnert sich nicht.
Wie lange dauert ein Nachtschreck?
Meist wenige Minuten, manchmal bis zu einer halben Stunde. Danach schläft dein Kind wieder ein.
Soll ich mein Kind wecken?
Nein. Wecken macht es oft verwirrter und verlängert die Episode. Bleib in der Nähe und sorge dafür, dass nichts passieren kann.
Wie oft kommt ein Nachtschreck vor?
Das ist sehr unterschiedlich: manchmal nur einmal, bei manchen Kindern über Wochen mehrmals. Meist wird es mit der Zeit seltener.
Wie unterscheide ich Nachtschreck und Schlafwandeln?
Beim Nachtschreck schreit das Kind panisch. Beim Schlafwandeln bewegt es sich meist ruhig und zielgerichtet durch die Wohnung. Beide gehören zur selben Gruppe und kommen auch zusammen vor.
Was hilft gegen Albträume?
Nähe, ein ruhiges Gespräch, ein Nachtlicht und ein vertrauter Gegenstand. Tagsüber hilft es, über Gefühle zu sprechen und vor dem Schlafen keine aufregenden Geschichten zu lesen.
Wird der Nachtschreck wiederkommen?
Er kann wiederkommen, vor allem bei Übermüdung, Stress oder Krankheit. Mit festen Zeiten und genug Schlaf wird er meist seltener.
Wie gehe ich mit meiner eigenen Unsicherheit um?
Wissen hilft. Du hast jetzt eine Checkliste: ruhig bleiben, nicht wecken, Sicherheit schaffen. Und du darfst dir jederzeit Rat bei deiner Kinderärztin oder deinem Kinderarzt holen.
Fazit
Ein Nachtschreck ist beängstigend anzusehen, aber in aller Regel harmlos. Wichtig ist: nicht wecken, Sicherheit sichern, ruhig bleiben. Mit festen Schlafzeiten, einem ruhigen Abend und genug Schlaf wird er meist seltener und verschwindet mit der Zeit.





